Integratives Entwerfen (Bachelor)

Common/s Zürich – Rethinking Gauss-Stierli-Areal

Auf dem Gauss-Stierli-Areal, einem der letzten großen zusammenhängenden Industrieareale in Zürich-Nord, hat sich über mehr als 120 Jahre eine vielschichtige Hallenstruktur entwickelt. Aus dem ehemaligen Produktionsstandort entstand im Zuge des industriellen Wandels ein heterogen genutzter Raum, dessen Transformation und zukünftige städtebauliche Entwicklung heute zur Disposition stehen.

Das Areal lässt sich als Terrain Vague lesen: als urbaner Raum zwischen obsoleter Funktion und zukünftiger Entwicklung, der sich eindeutigen funktionalen und ökonomischen Zuschreibungen entzieht. Gerade diese Unbestimmtheit bildet ein architektonisches Potenzial. Im Zuge seiner Transformation soll das Areal künftig Wohnen, Gewerbe und Kultur miteinander verbinden.

Diese Entwicklung findet vor dem Hintergrund eines extrem angespannten Zürcher Wohnungsmarktes statt. Mit einer Leerwohnungsziffer von lediglich 0,11 % standen am 1. Juni 2026 in der Stadt Zürich nur 252 Wohnungen leer. Die Entwicklung des Gauss-Stierli-Areals ist damit nicht nur eine Frage des Umgangs mit bestehender Bausubstanz, sondern auch der Produktion dringend benötigten urbanen Wohnraums.

Das Entwurfsstudio untersucht, wie das Areal durch Weiterbauen und Nachverdichtung transformiert werden kann, ohne seine räumlichen und historischen Bedingungen zu negieren. Der Bestand wird dabei nicht als statisches Erbe, sondern als urbane Ressource verstanden. Bestehende Konstruktionen, Räume und Nutzungen bilden die Ausgangslage für neue Beziehungen zwischen Wohnen, Arbeiten, Produktion und Kultur.

Nachverdichtung verstehen wir dabei nicht primär als quantitative Erhöhung der Geschossfläche, sondern als Transformation eines bestehenden urbanen Gefüges. Wie können neue Strukturen an vorhandene räumliche und materielle Logiken anschließen? Wie lassen sich unterschiedliche Zeitschichten überlagern? Und wie kann Dichte neue Formen von Wohnen, Öffentlichkeit, Gemeinschaft und Nutzung hervorbringen?

Eine besondere Relevanz erhält diese Frage im Kontext der Zürcher Tradition genossenschaftlicher Stadtproduktion. Die Genossenschaft wird dabei nicht lediglich als Modell des Wohnens gelesen, sondern als Verbindung von Boden, Eigentum, Finanzierung, Organisation und Architektur. Sie ermöglicht, Architektur nicht nur als gebautes Objekt, sondern als Ausdruck und Instrument institutioneller und gesellschaftlicher Strukturen zu begreifen.

Ausgehend vom Gauss-Stierli-Areal entwickeln wir Strategien für dessen Transformation. Im Zentrum stehen die Beziehungen zwischen Bestand und Neubau, Dichte und Freiraum, Wohnen und Produktion sowie individuellen und kollektiven Formen des Wohnens. Sein Potenzial liegt nicht in seiner Leere, sondern in der Möglichkeit, bestehende Strukturen neu zu lesen, anzueignen und weiterzubauen. Im Kontext der Geschichte genossenschaftlicher Stadtproduktion.

Ergänzt wird die Lehrveranstaltung durch eine Exkursion nach Zürich, bei der genossenschaftliche Wohnprojekte sowie Beispiele des Weiterbauens und Umnutzens untersucht werden. Ergänzend besuchen wir Wiener Projekte, die sich mit vergleichbaren Fragen der Nachverdichtung, des gemeinschaftlichen Wohnens und des Bauens im Bestand auseinandersetzen.

253.P86
12h, 15 ECTS
Place
Projektraum WB
Dates
Mo ab 14 Uhr

KICK-OFF
1.10 12:00 Uhr FB Wohnbau Bibliothek
Registration
via TISS Poolbewerbung