Entwerfen (Master)

NO BORDER LAND: Realutopien in obsoleten Strukturen | Südtirol

In kaum einer anderen europäischen Region überlagern sich Overtourism, explodierende Bodenpreise, steigende Mieten und der Druck wissensbasierter Ökonomien so unmittelbar mit dem Wunsch nach einem naturbezogenen Leben wie in Südtirol. Das Ideal des „Landschaftsraums“ steht in permanenter Spannung zu einer Realität aus Pendlerbewegungen, monofunktionalen Tourismuszonen, fragmentierten Siedlungsstrukturen und diffusen urbanen Zuständen. Südtirol lässt sich daher weder als Stadt noch als Land beschreiben, sondern als hybrides Territorium, in dem alpine Dörfer, Städte, Industrieareale, Infrastrukturbänder und touristische Enklaven ineinandergreifen.

Das Entwurfsstudio versteht Südtirol nicht als Summe einzelner Orte, sondern als gesamtterritoriales Gefüge, dessen räumliche, soziale und ökonomische Widersprüche sich in den Kasernenarealen verdichten. Diese liegen meist in Reibungszonen zwischen Stadt, Landschaft und Infrastruktur und besitzen als großmaßstäbliche, zusammenhängende Flächen das Potenzial, als territoriale Katalysatoren zu wirken.

Errichtet vor allem in den 1920er- bis 1940er-Jahren im Kontext der „Italianisierungspolitik“ in den Jahren des Faschismus , waren Kasernen nicht nur militärische Infrastrukturen, sondern auch Instrumente territorialer Aneignung, politischer Repräsentation und kultureller Überformung. Heute verlieren sie ihre ursprüngliche Funktion und treten mit der Übertragung an die Autonome Provinz Südtirol in eine neue Phase: vom abgeschlossenen Disziplinarraum zum potenziell offenen urbanen Ressourcenkörper.

Das Studio begreift diesen Moment nicht als reine Umnutzungsaufgabe, sondern als gesellschaftlich-räumliche Transformationsfrage. Anhand mehrerer Fallstudien werden Kasernen als obsolete Infrastrukturen mit hoher räumlicher und symbolischer Dichte untersucht. Im Fokus stehen leistbare, nicht marktgetriebene und kollektive Wohnformen sowie neue Verflechtungen von Wohnen, Arbeiten und Gemeingut.

Die militärischen Ordnungen – Raster, Achsen, Höfe und Typologien – werden analysiert und bewusst umcodiert. Transformation wird nicht als Auslöschung der Geschichte betrachtet, sondern als sichtbare Bedeutungsverschiebung von militärischer Ordnung zu offenen Alltags- und Lebensräumen. Architektur wird dabei als aktiver Akteur sozialer Transformation verstanden.

253.P20
8h, 10 ECTS
Ort
Projektraum WB - 253/3
Termine
Donnerstags ab 14 Uhr

KICK-OFF
Do 05.03. 14 Uhr
Anmeldung
TISS pool mit Portfolio
EXKURSION
253.O75 EX 2.0h | 2.0ECTS
Exkursion Südtirol - Realutopien für den ländlichen Raum