Integratives Entwerfen (Bachelor)
NO BORDER LAND: Realutopien in obsoleten Strukturen | Bozen
Südtirol ist kein Gefüge einzelner Orte, sondern ein hybrides Territorium. Ein Raum extremer Überlagerungen aus Tourismus und Industrie, Landschaft und Infrastruktur, historischer Aufladung und akutem Mangel an leistbarem Wohnraum. Südtirol lässt sich weder als Stadt noch als Land beschreiben, sondern als komplexes Territorium ineinandergreifender Räume und Nutzungen. Diese Widersprüche verdichten sich in den Kasernenarealen, welche bis heute viele Städte und Gemeinden Südtirols prägen. Errichtet im Kontext der „Italianisierungspolitik“ in den Jahren des Faschismus, waren sie nicht nur militärische Infrastrukturen, sondern räumliche Instrumente von Macht, Kontrolle und Repräsentation.Heute verlieren diese Anlagen ihre militärische Funktion. Mit ihrer Übertragung an die Autonome Provinz Südtirol treten sie in eine neue Phase: vom abgeschlossenen Disziplinarraum zum potenziell offenen urbanen Ressourcenkörper. Dieser Moment wirft eine zentrale Frage auf: Wie kann Architektur im Umgang mit obsoleten Infrastrukturen nicht nur reagieren, sondern neue Formen des Zusammenlebens antizipieren - als Realutopie zwischen Geschichte, Gegenwart und möglicher Zukunft?
Das Bachelorentwerfen untersucht das ehemalige Kasernenareal in Bozen als Teil eines hybriden Territoriums im Spannungsfeld von Stadt, Landschaft und Infrastruktur. Vor dem Hintergrund steigender Bodenpreise, Wohnraummangel und struktureller Transformationen wissensbasierter Ökonomien wird das Areal als räumliches Reallabor für alternative, nicht-marktgetriebene Wohn- und Lebensformen verstanden.
Ziel der Arbeit ist es, das militärisch geprägte Gefüge – Raster, Achsen, Höfe und robuste Typologien – zu analysieren und in ein regelbasiertes Entwicklungsmodell zu überführen, das phasenweise Transformation, temporäre Nutzungen und langfristige Gemeingut-Strukturen ermöglicht. Im Zentrum steht die Frage, wie historisch mit Kontrolle, Ordnung und Ausschluss verbundene Infrastrukturen zu Trägern inklusiver, leistbarer und kollektiver Wohnformen werden können.
Es ist kein abgeschlossener Masterplan zu entwickeln, sondern ein räumlich präzises Konzept, das sich zwischen städtebaulichem Maßstab, Gebäudetypologien und exemplarischen Wohnprototypen bewegt. Die Transformation versteht sich dabei nicht als Auslöschung der Geschichte, sondern als sichtbare Bedeutungsverschiebung – von militärischem Disziplinarraum zu einem offenen Alltags- und Lebensraum.
12h, 15 ECTS
KICK-OFF
Mi 03.03. 14 Uhr